"kültür alakart"
Das türkisch-deutsche Kulturkochbuch
Im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse, werden jedes Jahr die ITB BuchAwards verliehen. Bei den meisten Büchern, die dieses Mal ausgezeichnet werden, geht es um die Türkei, dem diesjährigen Partnerland der ITB. Und darunter ist auch das obligatorische Kochbuch: Kültür alakart, ein zweisprachiges türkisch-deutsches Kultur-Kochbuch, wie der Untertitel lautet.
Das Buch enthält 24 Interviews mit Persönlichkeiten aus der Türkei oder aus Deutschland. Autoren wie Feridun Zaimoglu und Mario Levi sind dabei, der Pianist Fazil Say, die Boxerin Hülya Sahin, die Politiker Cem Özdemir und Lale Akgün, die Journalistin Dilek Güngör und viele anderen. Das Thema Essen steht allerdings nicht im Vordergrund. Die Befragten erzählen viel mehr über ihren persönlichen Werdegang, ihren Beruf und ihre Sicht über Fragen wie Tradition, Heimat und multikulturelle Gesellschaft, als über ihre kulinarischen Vorlieben oder Erinnerungen.
Die Rezepte sind eher ein Mittel, um das Buch sinnlicher zu gestalten. Denn viele der Befragten sind zu sehr in ihrem Beruf eingespannt, um Zeit für den Herd zu haben. Feridun Zaimoglu sagt es ganz offen: Ich kann gar nicht kochen!
Klassiker und Favoriten
Es gibt insgesamt 74 Rezepte, die ein breites Spektrum der türkischen Küche bieten, mit Vorspeisen, Hauptgerichten und Desserts. Viele sind bekannt, so wie Imam Bayildi, Bulgur Salat, Gefüllte Auberginen, Baklava usw. Alle sind mit sehr schönen Fotos illustriert, die die türkische Küche in ihrer sehr feinen Variante darstellen, so wie wir sie meist gar nicht kennen.
Zum Teil handelt es sich um die Lieblingsrezepte der Gefragten. Der Kabarettist Muhsin Omurca schwört z.B. auf Ashure. Diese müsliartige Nachspeise soll in der Arche Noah entstanden sein. Er meint, Noah habe alle Reste zusammengekehrt, in einen Topf gegeben und alles aufgekocht, damit Menschen und Tiere überleben. Deswegen kocht man Ashure in der Türkei an dem Tag, an dem die Rettung der Menschheit gefeiert wird. Es wird heute allerdings nicht mehr aus Resten zubereitet, sondern aus weißen Bohnen, Kichererbsen, Weizenkörnern, getrockneten Früchten und Nüssen.
Essen am großen Tisch
Bei allen Unterschieden in den Lebensentwürfen und Vorlieben, Eines haben alle Interviewten gemeinsam: Wenn sie von essen reden, beziehen sie es immer auf ein Essen in der großen Runde, wie sie es in ihren Großfamilien erlebt haben. Dafür steht das typisch türkische Sonntagsfrühstück nach Bauernart, mit viel dünnem Fladenbrot, Käse, Eiern usw. An diesem Ritual halten viele fest, die sonst im Alltag nicht so viel Zeit fürs Essen haben.
Der Autor Özen Yula behauptet, man könne messen, was für einen Stellenwert Essen in einer Kultur hat, in dem man die Zeit misst, die ins Kochen investiert wird. Die meisten türkischen Gerichte, mit dem Schälen und Schneiden von Gemüse, dem Marinieren und Braten von Fleisch, nehmen in der Regel 4-5 Stunden in Anspruch. Das sei viel, wenn man bedenkt, dass sie in nur 15-20 Minuten gegessen werden!
Vieles von dem, was die befragten Prominenten erzählen, bestätigt diese Grunderkenntnis: Selbst wenn man so weit integriert ist, dass man fast nur in einer anderen Sprache spricht, denkt und träumt, und die Beziehungen zur alten Heimat sehr dünn geworden sind, selbst dann ist das traditionelle Essen das letzte, was die Emigranten aufgeben! So sagt der Unternehmer Vural Öger, der Gründer von Öger Tours, dass er auf die Frage, welche seine Heimat sei, jahrelang geantwortet habe, das seien die gebackenen Auberginen seiner Mutter!
Elisabetta Gaddoni, kulturradio
Stand vom 09.03.2010