Neue Nationalgalerie: "Moderne Zeiten"
Die Sammlung – 1900-1945
Die Nationalgalerie hat eine hochkarätige Sammlung, aber sie ist nur selten zu sehen. Um das zu ändern favorisiert ihr Direktor Udo Kittelmann offenkundig eine Umwidmung, bzw. einen Ausbau der bislang für wechselnde Ausstellungen genutzten Neuen Nationalgalerie. So ist diese umfangreiche Präsentation der Sammlung mit Kunst von 1900-1945 (auf die im Herbst 2011 ein zweiter Teil mit Werken ab 1945 folgen soll) zweifellos auch als eine Maßnahme anzusehen, die Bedeutung der Sammlung und damit auch des Platz- Problems und die Dringlichkeit seiner Lösung zu untermauern.
Gezeigt werden
dabei nicht nur ‚Ikonen’ der Sammlung wie Ernst Ludwig Kirchners Potsdamer Platz oder Edvard Munchs ebenso monumentaler wie zarter Lebensfries, den er um 1906/07 für die Berliner Kammerspiele malte – Werke, die auch in der letzten Sammlungspräsentation 2007/2008 vertreten waren und für deren dauerhafte öffentliche Zugänglichkeit Udo Kittelmann eintritt.
Zu entdecken sind darüber hinaus eine Fülle weit weniger bekannter Künstler und Werke. Die Ausstellung ist im Großen und Ganzen nach stilistischen Entwicklungen geordnet – mit gelegentlichen, ungewöhnlichen Setzungen: Einem ganz dem Genre "Porträt" gewidmeten "Salon" etwa, in dem Bildnisse verschiedenster Art den Reichtum der Sammlung in doppelreihiger Hängung spiegeln.
Ein zentrales Anliegen
dieser Präsentation ist die Reflexion der eigenen Geschichte, der Entstehung dieser Sammlung mit all ihren Verwerfungen. Zu diesem Zweck wurden wichtige verlorene Werke – etwa Franz Marcs legendärer Turm der blauen Pferde – als Schwarz-Weiß-Reproduktion mit gehängt. Ausführliche Beschriftungen geben Einblick in Provenienzen, so dass sich in Umrissen auch das sehr unterschiedliche Sammlungsprofil in Ost und West abzeichnet und in ausgewählten Gegenüberstellungen auf aufregende Art ein Zusammenfallen von Kunst- und Zeitgeschichte sichtbar wird.
Fazit: Eine vielschichtige, abwechslungsreiche Schau – und erkennbar nur die Spitze eines Schatz-Bergs.
Silke Hennig, kulturradio
Bewertung:
Stand vom 10.03.2010